Lektorat und Korrektorat

Was ist was?

Sie fragen sich, was ein Lektorat ist und was dieses von dem Korrekturlesen (Korrektorat) oder einer redaktionellen Bearbeitung wie der Schlussredaktion unterscheidet? Mit dieser Frage sind Sie nicht alleine: sogar einige Kollegen sind sich dabei manchmal nicht einig.

Freie Lektoren vs. Verlagslektoren

Der folgende Text beschreibt den Freien Lektor, Korrektor und Schlussredakteur. Sie sind anders als der Verlagslektor Freiberufler und arbeiten für gewöhnlich nicht festangestellt für einen Verlag.

Der Verlagslektor/Projektmanager bestimmt häufig das Thema des Buchs, die Gliederung der Inhalte und die sprachlichen Besonderheiten sowie den Terminplan und das Marketing. Er kümmert sich außerdem um den Einkauf der Lizenzen bei fremdsprachlichen Publikationen und die rechtlichen Aspekte. Verlagslektoren/Projektmanager sind das Bindeglied zwischen den (oft externen) Autoren, Übersetzern, Lektoren, Grafikern, Setzern und Korrektoren. In den Verlagen entscheiden die Lektoratsabteilungen darüber, ob sich bestimmte Manuskripte für die Veröffentlichung im eigenen Programm gut eignen oder nicht.

 

Bearbeitungsphasen einer Publikation

Die meisten Publikationen durchlaufen mehrere Phasen, bevor sie veröffentlicht werden. In jeder dieser Phasen werden andere Aspekte betrachtet und so verbessert.

 

  • Strukturelles Lektorat/Entwicklungslektorat (ca. 1–3 Normseiten pro Stunde, englisch: structural editing)

Prüfung des Inhalts auf Vollständigkeit. Gibt es Plotholes? Ist die Reihenfolge der Inhalte gut organisiert? Sind alle typischen Aspekte der Textsorte enthalten?

Nach dem Entwicklungslektorat hat der Autor die Möglichkeit, die Vorschläge des Lektors zu prüfen und weiter an dem Manuskript zu arbeiten.

  • Stilistisches Lektorat (ca. 2–3 Normseiten pro Stunde, englisch: stylistic editing oder line editing)

Prüfung der Sprache und des Stils für die Zielgruppe.

Nach dem stilistischen Lektorat hat der Autor die Möglichkeit, sich über einzelne Stilfragen Gedanken zu machen und diese im Manuskript zu vereinheitlichen.

  • Schlussredaktion/Korrektorat (ca. 4–7 Normseiten pro Stunde, englisch: copy-editing)

Korrekturlesen von Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung, Prüfung der optischen Erscheinung der Publikation, Prüfung auf Konsistenz innerhalb der Publikation, Prüfung einzelner Inhalte und Fakten, bei der Schlussredaktion zusätzlich z. B. Formulierung von guten oder besseren Überschriften u. v. w. m.

Nach der Schlussredaktion/dem Korrektorat ist das Manuskript fertig für den (Prüf)druck.

  • Umbruchkorrektur/Schlusskorrektur (ca. 6–10 Normseiten pro Stunde, englisch: proofreading)

Nach der Umbruchkorrektur/Schlusskorrektur ist der Proof fertig für die Massenproduktion.

Überprüfung des Proofs/Ausdrucks auf kleine noch zu korrigierende Fehler wie Tippfehler oder Inkonsistenzen des Designs/Layouts.

 

Die weitere Bearbeitungsdauer nimmt mit jeder durchlaufenen Stufe ab, da  die Qualität der Texte durch jede Stufe besser wird.

Kombiniert man bei der Bearbeitung einzelne Phasen (Lektorat und Korrekturlesen) und lässt diese von nur einer Person bearbeiten, dauert die Bearbeitung entsprechend länger (falls trotzdem die Qualität verbessert werden soll).
Überspringt oder streicht man einzelne Phasen (nur Korrekturlesen oder nur Lektorat), dann sinkt die maximal erreichbare Qualität (dies kann aber nötig sein, falls z. B. nur kurze Bearbeitungszeiten möglich sind oder das Budget knapp ist).

 

Lohnt sich das Lektorieren und Korrekturlesen?

Wie wichtig eine redaktionelle Betreuung, ein Lektorat oder ein Korrektorat für bestimmte Texte ist, bewertet jeder anders. Hier ein paar Beispiele:

 

  • Unternehmen oder Verbände haben sehr großes Interesse daran, dass der Geschäftsbericht einwandfrei zu lesen ist oder der Social-Media-Auftritt neue Leads generiert. Die positive Wahrnehmung der eigenen Marke durch den Kunden oder die Gesellschaft an sich ist für viele Unternehmen das A und O. Ohne eine funktionierende Marke ist das Bestehen im eigenen Segment oftmals nur eine begrenzte Zeit über möglich. Es gibt eigentlich keine Publikation, die nicht von mindestens einer Person Korrektur gelesen wird.

 

  • Werbeagenturen leben davon, Texte perfekt auf den Konsumenten abzustimmen und so einen Anreiz zur Absatzförderung für ihren Kunden zu generieren. Da die Texte meist kürzer sind, damit sie besser im Gedächtnis bleiben, fallen hier Fehler aber auch besonders stark auf. Werbetexte werden manchmal sehr kurzfristig erstellt, manchmal reicht ein aktuelles Ereignis dafür aus. Dann müssen Lektoren und Korrektoren schnell an die Arbeit gehen und Topleistung abliefern.

 

  • Und Autoren wollen eigentlich nur den nächsten großen Klassiker der Literaturgeschichte schreiben.

 

Der Unterschied zwischen einem Lektorat und einem Korrektorat

Jeder setzt dabei andere Kriterien für externe Dienstleister an, aber auch viele Dienstleister haben Probleme dabei, ihre Leistungen klar abzugrenzen. Wo hört ein Korrektorat auf? Wann handelt es sich schon nicht mehr um ein Lektorat, sondern vielleicht um Ghostwriting oder Textredaktion? In den nächsten Absätzen beschreibe ich Ihnen deshalb, wie ich an Ihren Texten arbeite und was Sie von mir bei den einzelnen Dienstleistungen erwarten können.

(Eine ähnliche Beschreibung wie diese hier zur Leichten Sprache finden Sie übrigens hier)

1 Definition Lektorat: Was macht ein Lektor?

Ein guter Lektor erarbeitet gemeinsam mit dem Autor verständliche, schlüssige und (im besten Falle) gern gelesene Texte. Der Lektor prüft, ob die genretypischen Aspekte (Sprache, Ausdruck, Stil) der Textgattung und des Mediums eingehalten werden.

Es geht nicht darum, Rechtschreibfehler zu korrigieren, sondern darum, ob zum Beispiel bei Romanen der Plot verständlich ist, die Figuren glaubwürdig sind und ein Spannungsbogen vorhanden ist. Bei einem guten Lektorat wird deswegen konzeptionell und manchmal auch inhaltlich in den Text eingegriffen.

Ursprünglich stammt der Lektor aus dem Verlagswesen und ist dort für die Konzeption von Büchern zuständig. Im Zuge von personellen Umstrukturierungen wird die eigentliche Textarbeit häufig auf professionelle externe Lektoren ausgelagert. Lektoren in Verlagen sind häufig in der Funktion eines Programmmanagers tätig.


1.1 Warum benötigt man ein Lektorat?

Ein gutes Lektorat kann zur Zufriedenheit der Leser beitragen. Findet der Leser die Argumentation nicht schlüssig, die Dialoge langweilig oder findet er Plotholes, kann sich das negativ auf die Bereitschaft, den Text zu Ende zu lesen, auswirken.

Ziel des Lektorats ist also eine Textoptimierung.

1.2 Wann sollte man ein Lektorat durchführen lassen?

Wenn die Inhalte entwickelt werden, vor der finalen Abstimmung. In dieser Phase kann man den Text und die Textlänge noch beliebig ändern und Wortwahl, Stil oder Lücken in der Argumentation schließen.

1.3 Was macht der Autor nach dem Lektorat?

Der Autor muss die Empfehlungen des Lektors oder der Lektorin prüfen und selbstständig entscheiden, ob er nach dem Lektorat neue Texte schreiben oder alte Texte umschreiben will. Wie umgeschrieben wird, liegt in der Hand des Autors.

1.4 Welche Unterarten gibt es?

Entwicklungslektorat, Stilistisches Lektorat

2 Definition Korrektorat: Was macht ein Korrektor?

Bei einem professionellen Korrektorat wird zwar auf inhaltliche Plausibilität geprüft, der Text wird aber nicht mehr umgeschrieben: Der schöpferische Prozess ist zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen. Autor und Lektor haben den Text inhaltlich bearbeitet (oder ein Grafiker hat den Text schon gestalterisch bearbeitet), der Korrektor bearbeitet den Text nun formal.

Bei dieser formalen Prüfung des Manuskripts/Typoskripts oder des Umbruchs wird sichergestellt, dass bestimmte Normen eingehalten werden. Normen sind zum Beispiel die Regeln der deutschen Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik oder gestalterische Regeln, die für die Publikation gewählt wurden (Rat für deutsche Rechtschreibung, Duden, Wahrig, DIN 5008 des Deutschen Instituts für Normung, Hausregeln, Corporate Design).

Ursprünglich stammt der Korrektor aus dem Druckerwesen und war dort für die Prüfung der Texte kurz vor Druck zuständig, die er auf schmalen Papierstreifen („Fahnen“) Korrektur gelesen hat (Fahnenkorrektur, engl. galley proof). Heutzutage wird häufig auf einem Prüfdruck („Proof“) oder im PDF Korrektur gelesen.

2.1 Warum benötigt man ein Korrektorat?

Ein fehlerarmer Text ist ein Qualitätsmerkmal. Besonders schwierig sind Tippfehler in Überschriften, Zwischenüberschriften oder Bildunterschriften, da diese schnell erkannt werden.

Ziel des professionellen Korrekturlesens ist eine Fehlerreduktion und eine Textkorrektur.

2.2 Wann sollte man ein Korrektorat durchführen lassen?

Nachdem die Inhalte abgestimmt und final sind. Da der Text schon stilistisch verbessert wurde, kann man sich jetzt ausschließlich auf die Korrektur von Rechtschreibung, Zeichensetzung und Grammatik kümmern.

2.3 Was macht der Autor nach dem Korrektorat?

Der Autor überprüft, ob er die angezeichneten Korrekturen annehmen will. Es liegt im Ermessen des Autors, bestimmte Korrekturen nicht anzunehmen.

2.4 Welche Unterarten gibt es?

3 Exkurs Redaktion: Was macht ein Redakteur?

Ein Redakteur erstellt oder überarbeitet redaktionelle Beiträge für verschiedene Medien. Er stammt aus dem Zeitungswesen und dem Journalismus. Anders als beim Lektorat oder Korrektorat darf der Redakteur beim Überarbeiten (Redigieren) auch inhaltlich am Text arbeiten und selbstständig neue Inhalte einfügen.

Das Ziel der Textredaktion kann die Texterstellung, die Textoptimierung oder die Textkorrektur sein.


Hier finden Sie Informationen zur Textredaktion und
Schlussredaktion.

 

4 Korrekturlesen und Lektorat im Produktionsprozess

Man kann die Tätigkeiten auch anhand der Schritte innerhalb des Produktionsprozesses als schöpferische Phase und Korrekturphase trennen:

 

  1. Während oder nach dem Schreiben des Textes (Manuskript/Typoskript):
    – Strukturelles Lektorat/Entwicklungslektorat und stilistisches Lektorat empfohlen,
    – Inhaltliches Lektorat möglich

  2. Nach dem Bearbeiten des Textes durch den Autor (finaler Text): 
    – Korrektur lesen möglich
    – Text-/Schlussredaktion möglich

  3. Nach dem Formatieren des Textes (Print, E-Book): 
    – Korrektur lesen empfohlen
    – Text-/Schlussredaktion empfohlen

  4. Nach dem Konvertieren von Daten (zum Beispiel zwischen verschiedenen Programmen, Programmversionen, bei der Nutzung von OCR-Software):
    – Korrektur lesen empfohlen
    – Text-/Schlussredaktion empfohlen

  5. Nach dem Bearbeiten im Satz (Umbruch):
    – Umbruchkorrektur empfohlen

  6. Nach der Durchführung der Korrekturen:
    – Kollationieren der Korrektur
    Schlusskorrektur empfohlen

 

5 Wie viele Korrekturschleifen sind beim Korrekturlesen nötig?

Wenn man sich den oben dargestellten Prozess ansieht, könnte man auf die Idee kommen, einfach am Ende ein Mal Korrekturlesen zu lassen. Das ist rein quantitativ gesehen natürlich sinnvoll, aber qualitativ gesehen gibt es bessere Möglichkeiten für einen guten Text.
Falls nur ein einziges Mal Korrektur gelesen wird, wird nämlich folgendes Problem entstehen: Alle Fehler werden über den gesamten Produktionsprozess mitgeschleppt. Am Schluss erhält man ein Dokument mit einer Sammlung ganz unterschiedlicher Fehler. Je mehr Fehler ein Text hat, umso mehr Fehler werden auch übersehen, da eine hohe Fehlerdichte bei Korrekturarbeiten enorm viel Konzentration aufbraucht. Einzelne Fehler haben es so einfacher, im Text stehenzubleiben. Je nachdem wie schwerwiegend diese Fehler sind, kann es dann zu einem Neudruck kommen, der teurer ist, als die vorherige nicht in Anspruch genommene Hilfe eines Lekorats oder Korrektorats.

Es ist bei wichtigen Texten also durchaus sinnvoll, mehrere Durchgänge beim Korrekturlesen durchzuführen oder den Auftrag durch mehrere Personen (verschiedene Lektoren oder Korrektoren) bearbeiten zu lassen (4-Augen-Prinzip, 6-Augen-Prinzip, 8-Augen-Prinzip etc.). Dies gilt vor allem für das Werbelektorat.

 

6 Lektorat und Korrekturlesen im Projektmanagement

Eine hochwertige Textbearbeitung durch einen guten Lektor und Korrektor ist zeitintensiv und verursacht Kosten. Deshalb ist es im Projektmanagement wichtig,

  • einen realistischen Zeitplan einzuplanen,
  • mit realistischen Preisen zu kalkulieren und
  • eine realistisch erreichbare Qualität (bei z. B. durch kurze Bearbeitungsfristen oder knappes Budget) zu erwarten.

 

 

7 Wie finde ich einen guten Lektor oder eine gute Lektorin?

Wie bei jeder Dienstleistung gilt:

  • Vergleichen Sie die Angebote und überprüfen Sie, welche Dienstleistungen in den verschiedenen Angeboten enthalten sind – und welche nicht. Vorteile von Freien Lektoren gegenüber Lektoratsvermittlern/-agenturen finden Sie hier.
  • Reden Sie mit den verschiedenen Lektoren und Korrektoren. Wenn Sie sich mit einem Lektor oder Korrektor super verstehen, mit seiner Arbeitsweise zufrieden sind und ein gutes Gefühl haben, ist das schon viel wert. Buchprojekte dauern eine längere Zeit – Sie müssen also gut miteinander auskommen.
  • Achten Sie auf Zertifikate oder Mitgliedschaften in anerkannten Verbänden und fragen Sie nach Weiterbildungen des Lektors oder der Lektorin.

 

8 Lektüreempfehlungen

  1. Dudenredaktion (Hrsg.) : Duden - die deutsche Rechtschreibung : auf der Grundlage der aktuellen amtlichen Rechtschreibregeln. Berlin : Dudenverlag, 2017.
  2. Sailler, Johannes : Handbuch Korrekturlesen: Korrektur lesen, Korrekturablauf planen, Korrekturaufträge vergeben – mit Korrekturwissen von A bis Z. Norderstedt: BoD, 2017.
  3. VFLL (Hrsg.) : Leitfaden Freies Lektorat. Frankfurt, M.: VFLL, 2014.
  4. Wahrig-Redaktion (Hrsg.) : Brockhaus, Wahrig, Die deutsche Rechtschreibung. Gütersloh ; München : Wissenmedia in der Inmedia-ONE-GmbH, 2011.
  5. Witzer, Brigitte (Hrsg.) : Duden, Satz und Korrektur. Mannheim: Duden, 2003.

Bewertung: 5 / 5

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